25.03.2021

Von: Kira Steinau

Unverständnis im Vorgang mit Hussong-Bau

Trotz hitziger Stadtratsdebatten und allen Versuchen, Alternativlösungen wurden nun durch das DRK harte Fakten geschaffen: Der Hussong-Bau auf dem DRK-Gelände wird abgerissen. Es ist uns nicht verständlich, wieso das DRK am heutigen Mittwoch überraschend doch diesen Schritt gegangen ist, ohne vorher eine kooperative Lösung anzustreben.   

„Es ist beschämend, wie hier mit historischem Kulturgut umgegangen wird. Der Abriss kommt leider sehr plötzlich, ohne dass vorher über die Alternativen wirklich gesprochen wurde. Von einer gemeinnützigen Gesellschaft hätten wir einiges mehr an Kooperationsbereitschaft erwartet, ist es doch im Sinne aller gewesen, dieses Gebäude zu erhalten.“, so unsere Fraktionsvorsitzende Lea Siegfried.

Der Hussong-Bau in der Augustastraße beschäftigt die Öffentlichkeit und den Rat seit einigen Wochen. Eine verfehlte Aufnahme ins Denkmalschutzregister und scheinbar mangelnde Bereitschaft, der Öffentlichkeit und dem Rat zu kommunizieren, dass es sich um einen Bau des bedeutenden Stadtplaners Hermann Hussong handelt, führten zu diesem Desaster. Dem Bebauungsplan wurde damals im Rat zugestimmt, ohne dass dieser darüber informiert wurde, wessen Nachlass hier eigentlich dem Erdboden gleich gemacht werden soll.

Unser Dringlichkeitsantrag auf eine Änderung des Bebauungsplans und eine Veränderungssperre, eingebracht durch unseren Fraktionsvorsitzenden Tobias Wiesemann, erreichte auf der Stadtratssitzung am Montag leider nicht die notwendige Zweidrittel-Mehrheit und wurde somit nicht stattgegeben. Unverständlich ist uns, wieso die SPD-Fraktion unseren Antrag nicht mittragen wollte, obwohl es den Willen eines Großteils der Bewohner*innen Kaiserslauterns widergespiegelt hätte. Dadurch stellt sich uns die Frage, inwieweit die Stadtratsfraktion der SPD das Vorgehen ihres Oberbürgermeisters unterstützt. Diesem wird unter anderem vorgeworfen, mehr gewusst zu haben als er dem Rat preisgegeben hat. Außerdem ist seine Befangenheit als DRK-Vorsitzender deutlich zu hinterfragen.

Das historische Gebäude wird im Stadtbild Kaiserslauterns fehlen - nicht nur aufgrund seiner architektonischen Besonderheiten, sondern auch in seiner Funktion als Mahnmal, wurden hier doch 1938 fast 50 jüdische Männer vor ihrer Deportation nach Ausschwitz festgehalten.

Wir hoffen, dass so ein Szenario, bei dem der Denkmalschutz erst im Nachhinein aufgedeckt wird, in Zukunft in Kaiserslautern nicht mehr möglich sein wird. Deswegen unterstützen wir die dafür vorgeschlagenen Maßnahmen, beispielsweise dass die TU und Hochschule als Träger öffentlicher Belange festgelegt werden, sodass sie Bebauungspläne kommentieren können, oder dass die Verwaltung bei einem geplanten Abriss historischer Gebäude eine Recherche unter Zuhilfenahme des Archivs durchzuführen hat.

Außerdem kritisieren wir stark das Vorgehen und die Transparenz in diesem Prozess. Der Involvierung verschiedener Persönlichkeiten muss nun nachgegangen werden, um aufzuklären, ob mutwillig entscheidende Informationen zurückgehalten wurden.

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