01.02.2021

Von: Kira Steinau

Fragwürdige Praxis in Zeiten von Corona – Infektionsschutz an Schulen wird verzögert

In einem Punkt dürften sich alle einig sein: Schulen müssen gegen Corona gerüstet werden. Umso weniger Verständnis hatten wir dafür, dass die im Rat beschlossene Maßnahme, die Schulen mit Lüftungsanlagen auszustatten, erst fahrlässig langsam um- und nun sogar ganz ausgesetzt werden sollte. Deswegen war es umso wichtiger, dass der Rat sich heute erneut durch einen Beharrungsbeschluss für diese Maßnahmen entschieden hat! Außerdem wurden zusätzlich 80 000€ in den Haushalt eingeplant, um die Umsetzung im Sinne der Kinder, Familien und Schulen zu ermöglichen.   

Im November 2020 wurde ein von uns eingebrachter Antrag bezüglich Corona-Maßnahmen in Schulen mehrheitlich beschlossen. Dieses Maßnahmenpaket sah unter anderem vor, Klassenzimmer, in denen das vom Land vorgeschriebene Lüften nicht sinnvoll umsetzbar ist, mit Luftfilteranlagen auszustatten. Dies würde beispielsweise bestimmte Räume in Grundschulklassen betreffen, da es Kindern in diesem Alter schlichtweg nicht möglich ist, sich bei ständiger Kälte und Lärm auf den Unterricht zu konzentrieren. Voraussetzung dafür, dass Schulen bei der Stadt einen Bedarf anmelden können, ist natürlich zunächst einmal eine ausreichende Informierung der Schulen über den Sachstand. Des Weiteren ist es fragwürdig, wieso ein so dringendes Vorhaben mit Blick auf ein Schuljahr in einer weiterhin andauernden Pandemie so hinausgezögert wird. Uns ist es nicht verständlich, wieso der Aussetzungsbeschluss erst jetzt – nach 2.5 Monaten – vom Oberbürgermeister eingebracht wird.

Darüber hinaus fußt der Aussetzungsbeschluss auf schlichtweg unhaltbaren Argumenten. Die öffentlich seitens des Stadtvorstandes vorgebrachte Aussage der großen finanziellen Belastung (Anschaffung 1.3 Millionen Euro), ist faktisch zwar richtig, allerdings nur gesetzt den Fall, dass ALLE Klassensäle in Kaiserslautern ausgestattet werden würde – ein Vorhaben, von dem nie die Rede war. Ausgestattet werden sollen nur Klassensäle, in denen Bedarf seitens der Schulen gemeldet wird, was bisher nur für eine zweistellige Zahl von Klassenräumen der Fall ist. Somit würde nur ein Bruchteil des genannten Budgets benötigt. In Zeiten von Corona würde dies nur eine marginale Mehrverschuldung der Stadt bedeuten. Und betrachtet man den finanziellen Aufwand im Vergleich zur Perspektive eines sicheren Unterrichts mit niedrigeren Fallzahlen ist hoffentlich klar, wofür man sich entscheiden sollte.

Die Sinnhaftigkeit der Luftfilteranlagen ist mittlerweile durch Studien abgesichert. Erst vor Kurzem hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft eine Stellungnahme dazu veröffentlicht : „Der Einsatz von Geräten zur Belüftung ist jeder Art passiver Lüftung durch bloßes Öffnen von Fenster und Türen weit überlegen, da bei der technischen Belüftung der Luftaustausch bzw. die Luftreinigung in kontrollierter Art und Weise geschieht, während dies bei der momentan empfohlenen passiven Lüftung von Klassenräumen mit Außenluft über die Fenster in einem typischen Klassenzimmer nicht zu erreichen ist, da diese nicht zuletzt stark von Wind, Temperatur, Fensteröffnungen, Lage der Heizkörper etc. abhängt.“

Alles in allem zeigen wir Verständnis für die Lehrergewerkschaft, die das mangelnde Interesse an der Gesundheit der Lehrer*innen kritisiert. Wir müssen diesen Vorwurf ernst nehmen und die Maßnahmen schnellstmöglich auf den Weg bringen!

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